Agile Werte

Auf dem Scrumtisch Köln am vergangenen Mittwoch (15.01.2014) hatte ich aus Neugier die Frage an die User Group gestellt, welche agilen Werte wohl die wichtigsten wären, bzw. den Teilnehmer der Gruppe am meisten bedeuteten. Das Interesse und die Bereitschaft zum mitmachen war unerwartet groß, und so ergab sich die Gelegenheit ein Stimmungsbild der gesamten Gruppe von immerhin 18 Teilnehmern zu erstellen.

Zunächst haben wir gemeinsam Werte gesammelt, über die wir dann im Anschluss per Dot-Voting abgestimmt haben. Dabei kamen folgende Werte zusammen, zunächst in der Reihenfolge ihrer Nennung:

  • Selbstverantwortung
  • Transparenz
  • Einfachheit
  • Mut
  • Vertrauen
  • (Selbst-) Disziplin
  • Ethos
  • Intrinsische Motivation
  • Respekt
  • Kommunikationsbereitschaft
  • Offenheit
  • Zusammenarbeit

Nach dem Dot Voting gab es tatsächlich einen einzelnen “Sieger” unter den Werten, dicht dahinter bildete sich jedoch eine Gruppe  von ebenfalls als sehr wichtig eingestuften Werten. Auf der anderen Seite der Skala zeigten sich dann Werte, die nur von ganz wenigen Teilnehmern geschätzt wurden. Ein Mittelfeld war so gut wie nicht existent. Hier die Werte in ihrer Rangfolge mit der Anzahl ihrer Votes in Klammern:

Gesammelte Agile Werte
Gesammelte Agile Werte
  1. Respekt (9)
  2. Transparenz (8)
  3. Vertrauen (8)
  4. Selbstverantwortung (7)
  5. Kommunikationsbereitschaft (7)
  6. Mut (4)
  7. Offenheit (3)
  8. (Selbst-) Disziplin (2)
  9. Ethos (2)
  10. Einfachheit (1)
  11. Intrinsische Motivation (1)
  12. Zusammenarbeit (1)

In einer Diskussion der Gruppe vor der Abstimmung war der Tenor, dass sich “Disziplin”, “Motivation” und “Zusammenarbeit” doch wohl mehr oder weniger automatisch einstellten, sobald das Umfeld den Raum für einige der anderen Werte gäbe.

In der Abstimmung lässt sich diese Meinung tatsächlich wiederfinden. Respekt, Transparenz, Vertrauen, Selbstverantwortung und Kommunikationsbereitschaft wurden am wichtigsten bewertet, und wenn man der Theorie, würden dann Disziplin, Motivation und Zusammenarbeit nach sich ziehen, die deshalb auch von der Gruppen möglicherweise nicht hoch bewertet wurden, weil sie als mittelbare Folge der anderen Werte angesehen wurden.

Ich glaube, dass sich diese Theorie noch weiter differenzieren lässt. Sobald Menschen in einer Gruppe ernsthaft respektvoll miteinander umgehen, sind sie sicher auch eher bereit, Informationen und Erkenntnisse zu teilen (Transparenz), weil sie beginnen einander zu vertrauen. Wollen Sie dann ein gemeinsames Ziel erreichen, steigt aufgrund des Vertrauens auch die Bereitschaft zu mehr Kommunikation und von sich aus mehr zu investieren (Mut), die Mitglieder der Gruppe beginnen also Selbstverantwortung zu übernehmen.

Fühlen sich die Mitglieder in diesem Umfeld zunehmend wohl, und erkennen erste Erfolge ihres gemeinsamen Handelns, dürfte sich bei den meisten wohl bald eine intrinsische Motivation für die Aktivitäten der Gruppe einstellen und sie offener gegenüber neuen Ideen der anderen werden lassen. In dieser Phase wird ein Team möglicherweise aber auch beginnen, ein eigenes kleines Regelwerk aufzustellen, um das Geschaffene  zu erhalten und vor möglichen negativen Auswirkungen von Chaos und Willkür zu bewahren. Hier wird also Disziplin und Ethos Einzug erhalten, und mit ein bisschen Glück bleibt sich die Gruppe dabei der Einfachheit verpflichtet.

Das Ganze führt dann wohl letztendlich zu guter Zusammenarbeit. Und begonnen hat alles mit Respekt.

Ich wünsche allen solche Arbeitsumgebungen, und bedanke mich an dieser Stelle nochmal ganz ausdrücklich bei allen Teilnehmern der Januar-Ausgabe des Scrumtisch Köln für Ihre Mitmach-Bereitschaft und die tollen Erkenntnisse. Ich freue mich, einer solchen User Group anzugehören.